Das Projekt „Lesestadt“

Was soll man sich unter dem Begriff „Lesestadt“ vorstellen? Ganz einfach: Eine Stadt, die die Kinder der 2a- und 2b-Klasse aufsuchten, um sich darin frei zu bewegen und  selbstständig handelnd im Sinne des entdeckenden Lernens allerlei Einsichten im Zusammenhang mit dem Lesen zu gewinnen.

Unsere Stadt schuf Raum für spontane Aktivitäten, und die Kinder waren frei in der Auswahl der Aufgaben nach individuellen Bedürfnissen und Interessen. Durch ein reichhaltiges, verschiedenartiges Angebot an strukturiertem Lernmaterial und Lesestoffen wurden viele Fenster geöffnet:

°          Neugier

°          Spielen

°          Probieren

°          Deuten und Lesen von Zeichen, Symbolen, Aufschriften und Texten

°          Entwickeln eigener Strategien

°          Selbstkontrolle

°          Entwickeln eigener Ideen

°          unterschiedliche Schwierigkeitsgrade

°          Kooperation der Kinder

Unsere Lesestadt bestand aus verschiedenen farbenfrohen Häusern: Es gab ein Postamt, ein Gemüse-, Obst- und Blumengeschäft, ein Kleidergeschäft, eine Arztpraxis, einen Zoo und ein Kasperltheater.

In den zwei Wochen unseres Projekts wurde ausprobiert, gesucht, gefragt, gespielt und geschaut. Die Lesestadtmappe wurde mit verschiedenen Arbeitsblättern gefüllt. Beim Postamt wurden selbstgeschriebene Briefe aufgegeben. Es war gar nicht so einfach, den Briefumschlag richtig zu beschriften! Auch die Briefmarke und der Poststempel durften nicht fehlen.

Im Zoo wurden aus Lexika die Lieblingstiere ausgesucht und beschrieben. Ein Tierspiel konnte ausprobiert werden, und die großen und kleinen Zootiere aus Stoff, Plüsch, Plastik und Gummi waren heiß begehrt.

Im Gemüse-, Obst- und Blumengeschäft konnte man einkaufen und verkaufen. Nach Belieben wurden Preise festgesetzt und Körbe gefüllt. Die Kinder erfuhren, warum die Primel so heißt, ertasteten Frühlingsblumen und nannten sie beim Namen.

Im Kasperltheater durften die Puppen tanzen, sprechen, jubeln, schreien, schimpfen und singen. Die Kinder schlüpften einmal in die Rolle der Puppenspieler, dann wieder in die der Zuschauer. Die Kasperlsätze warteten darauf, in sinnvolle Sätze verwandelt zu werden.

In der Arztpraxis eigneten sich die Kinder allerlei Wissen über den menschlichen Körper an, ehe die praktische Seite an die Reihe kam. Dann wurde eifrig untersucht und abgehört. Als besondere Stütze in diesem Zusammenhang erwies sich die Kinderärztin Dr. Sonja Otto, die aus Graz angereist kam und uns von ihrer Arbeit berichtete sowie viel Wissenswertes über Kinderkrankheiten erzählte. Manches kleine Wehwehchen der Kinder wurde von ihr auf der Untersuchungsliege gleich genau unter die Lupe genommen.

Neu einkleiden konnte man sich im Kleidergeschäft. Hier gab es vom Brautkleid bis zur Polizeiuniform fast alles. Auch die passenden Schuhe konnten gleich anprobiert werden. Am Ende wussten alle, was man zu welcher Jahreszeit trägt, und hatten so seltsame Kleidungsstücke wie den Muff kennen gelernt.

Zum Abschluss des Projekts gab es eine Reflexionsstunde, in der wir die Erfahrungen und Erlebnisse der vergangenen zwei Wochen noch einmal Revue passieren ließen. Dabei kamen unterschiedliche Meinungen und Eindrücke zutage, doch für alle gab es in diesen zwei Wochen ganz viele individuelle Highlights.

Das Projekt „Lesestadt“ ermöglichte den Kindern nicht nur neue Lernerfahrungen, es bewirkte auch eine Öffnung in alle Richtungen: Verschlossene Kinder wurden aufgeschlossener und aktiver, neugierige und lernflinke Kinder konnten sich verwirklichen und für Unentschlossene boten Lehrerinnen und mithelfende Eltern Hilfestellung. An dieser Stelle ergeht ein herzliches Dankeschön an alle Mütter, Väter, Tanten, Großeltern und andere Helfer, die uns bei diesem Projekt unterstützt haben. Nicht zuletzt gilt dieser Dank auch den Kolleginnen der anderen Klassen, die ihren Unterricht auf unser Projekt abgestimmt und sich diesem angepasst haben, und unserem Herrn Direktor, der das Projekt „Lesestadt“ ermöglicht und mitgetragen hat.

Dipl. Päd. Natalie Freidorfer

 

Fotos: 5544, 5592, 5623

(Fotos im Ordner  VS Projekt Lesestadt)

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